Das Projekt

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Um was geht es?

Das Regionalmuseum Chüechlihus in Langnau i.E. sammelt und bewahrt das Kulturgut aus dem Oberemmental. Über Jahre hinweg haben sich dabei hunderte Objekte angesammelt, die mehrfach vorhanden oder unvollständig sind. Dazu gehören Heugabeln und Holzkessel, aber auch Herrenhemden, Leiterwagen, Koffer und einiges mehr. Die Geschichte der meisten von ihnen ist nicht dokumentiert. Diese Objekte kommen deshalb für eine Entsammlung, eine so genannte Deakzession, in Frage.

Was mit den Gegenständen geschieht, die nicht im Museum bleiben, entscheiden wir gemeinsam mit euch.

Weshalb machen wir das gemeinsam?

Das Regionalmuseum Chüechlihus trägt als öffentliche Kulturinstitution zum verantwortungsvollen Umgang mit dem regionalen Kulturerbe bei. Als regionaler Austausch- und Begegnungsort ist es dem Museum in seiner täglichen Arbeit ein Anliegen, Brücken zu schlagen: zwischen seiner Sammlung und der Bevölkerung, aber auch zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, als Basis für die gemeinsame Zukunft.

Das Kulturgut, das wir jetzt aus dem Museum entlassen können, wurde über Jahre hinweg gesammelt und bewahrt. Es gehört der Emmentaler Bevölkerung, da es von hier kommt und die Geschichte der Region widerspiegelt. Aus diesem Grund gehört allen Emmentaler:innen ein Mitspracherecht. Sie entscheiden mit, was mit den Objekten geschieht.

Die Bevölkerung macht bei der Entscheidung im Objektrat sechs von elf Stimmen aus. Von diesen sechs Stimmen stammen vier Stimmen aus dem Online-Abstimmungsresultat (siehe: Wer sind wir?) Dieser Prozess wird transparent dokumentiert und kommuniziert.

Kurz gesagt: eure Meinung ist uns wichtig und jede Stimme zählt!

Mehr Infos zum Regionalmuseum Chüechlihus

Was läuft wann?

Es finden regelmässig öffentliche Veranstaltungen statt. Details dazu und die Daten findest du hier.

Abstimmungsphase 1: Entsammeln ja oder nein? (beendet)

Was entsammelt wird und was mit diesen Objekten passiert, wird durch einen breit aufgestellten Objektrat, gemeinsam mit der Emmentaler Bevölkerung, entschieden. Alle Emmentaler:innen (Einwohner:innen und Heimatberechtigte) haben die Möglichkeit auf dieser Website oder bei einer der Veranstaltungen vor Ort über die einzelnen Schritte abzustimmen.

Zwischen 1. und 24. April haben die Emmentaler:innen in einer ersten Abstimmungsphase ihre Stimme abgeben können, welche Gegenstände das Museum nicht behalten, sondern weitergeben soll. Die Vorschläge dafür basieren auf einer Vorauswahl der Museumsmitarbeitenden.

Der Objektrat hat am 26. April abschliessend entschieden, welche Objekte aus der Sammlung entlassen werden. Die Online-Abstimmung floss mit drei Stimmen in diesen Entscheid mit ein. Die zu entsammelnden Objekte sind hier zu finden.

Bewerbungsphase #AltSuchtNeu: Wer will ein Objekt? (beendet)

Wer einem alten Gegenstand neues Leben einhauchen wollte, konnte sich zwischen 1. Mai und 26. Juni online oder vor Ort für eines oder mehrere der Objekte bewerben. Mitmachen konnten alle, nicht nur die Emmentaler:innen, und es sind insgesamt 197 Bewerbungen eingegangen.

Für die Bewerbung musstest du auf der entsprechenden Objektseite das Bewerbungsformular ausfüllen und uns erklären, was du mit dem Objekt machen möchtest (z.B. Gebrauch in einem anderen Museum, Ausstellung in deinem Betrieb, Upcycling-Projekt oder Kunstaktion).

Abstimmungsphase 2: Wer erhält das Objekt? (beendet)

Vom 9. Juli bis 14. August konntest du als Emmentaler:in online abstimmen, welche Idee für eine Weiterverwendung für dich die sinnvollste ist.

Am 25. August kam der Objektrat ein weiteres Mal zusammen und entschied abschliessend, wer die zu entsammelnden Objekte erhält. Auch hier floss die Online-Abstimmung der Bevölkerung in den Entscheid mit ein.

Bis Ende August wurden die Personen informiert, die ein Objekt zur Umsetzung ihrer Idee erhalten. Sie konnten es am Chüechlihus-Sunndig, 11. September, beim Regionalmuseum Chüechlihus abholen. Alle anderen durften natürlich auch gerne im Museum vorbeischauen. Diesen Abschluss feierten wir mit einer öffentlichen Veranstaltung und Spezialprogramm.

Was will das Projekt erreichen?

  • Repräsentation: Die Sammlung des Regionalmuseum wird durch die Entsammlung unpassender und überzähliger Objekte langfristig repräsentativer und aussagekräftiger.
  • Nachhaltigkeit: Die Deakzessionsobjekte erhalten durch die öffentliche Aufmerksamkeit eine Wiederbelebung.
  • Transparenz: Das Museum kommuniziert regelmässig relevante Schritte und Informationen. Es dokumentiert den Deakzessionsprozess und macht diesen sicht- und erlebbar.
  • Partizipation: Die tatsächlichen Eigentümer:innen des kulturellen Erbes im Emmental, das im Regionalmuseum Chüechlihus bewahrt, vermittelt und diskutiert wird, werden entsprechend involviert.
  • Perspektiven: Die Bevölkerung schreibt die Geschichte des Oberemmentals mit.
  • Innovation: Langnau will und wird damit in der Deakzession wegweisend sein. Es handelt sich um ein Vorzeigeprojekt für (Schweizer) Museen.
  • Inspiration: Das Projekt ist wegweisend für die Zukunft der Region und ist ein Modell für die weitere Museumsarbeit.
  • Reflektion: Auseinandersetzung mit Geschichte und Kultur sowie Debatte/n über das Kulturerbe anstossen.
  • Spass: Es bereitet Freude, dabei zu sein.

Wer sind wir?

Projektteam:

  • Carmen Simon, Museumsleitung und Gesamtprojektleitung
  • Simon Schweizer, Projektleitung
  • Rebecca Häusel, Kommunikation
  • Laura Schaffroth, Administration und Veranstaltungen
  • Madeleine Ryser, Mitarbeit Sammlung
  • Zivildienstleistende

Gestaltung und Druck: Simon Kauer und Andrina Wasem, Tanner Druck

Website: Simon Wälti und Thierry Deiss, webage

Objektrat #AltSuchtNeu:

  • 4 Stimmen aus den Online-Abstimmungen auf dieser Website
  • 2 zufällig ausgeloste Langnauer:innen
    • Christine Bucher
    • Stephan Rüegsegger
  • Elisabeth Zäch, Präsidentin Förderverein Emmental
  • Martin Lehmann, Gemeinderat Ressort Kultur Langau i.E.
  • Samuel Buri, Gemeindeschreiber und Kulturbeauftragter Langnau i.E.
  • Carmen Simon, Museumsleitung
  • Simon Schweizer, Projektleitung
Objektrat #AltSuchtNeu

von links nach rechts: Elisabeth Zäch, Martin Lehmann, Carmen Simon, Christine Bucher, Simon Schweizer, Stephan Rüegsegger, es fehlen: Samuel Burri und Sven Graber
Foto: Andreas Reber

Das Projekt wird von der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte I SKKG unterstützt.

Was ist Deakzession?

#DeakzessionWhaaaat?

Die Deakzession, also die Aussonderung von Objekten aus einer bestehenden Sammlung, widerspricht auf den ersten Blick den Grundaufgaben eines Museums und war viele Jahre ein Tabuthema in Schweizer Museen. Dennoch gehört das Entsammeln zum Museumsbetrieb: Eine Deakzession ist unter den richtigen Voraussetzungen und im engen Rahmen der gesetzlichen und ethischen Vorgaben nicht nur vertretbar, sondern für eine verantwortungsvolle Sammlungspflege auch notwendig.

Sammlungserweiterungen und Sammlungsentlassungen verlaufen im Museumsalltag oft parallel.

Gründe für eine Deakzession:

  • Änderung des Sammlungskonzepts
  • Dubletten (auch in Bezug auf andere Sammlungen)
  • Überrepräsentation
  • Fehlende oder unzureichende Dokumentation
  • Beschädigung/Defekt
  • Schad- und Gefahrenstoffe (objekt- und personenschädigend)
  • Verbesserung der Objektnutzung durch Abgabe an ein anderes Museum
  • Rückgabe/Repatriierung
  • Fehlende Relevanz

Gründe dagegen:

  • Zusammenhang: Eine Sammlung ist mehr als die Summe ihrer Teile
  • Respektierung der Sammlungsgeschichte
  • Vertrauensverlust: Eine Deakzession kann, wenn sie nicht sorgfältig begleitet und gut kommuniziert wird, den Ruf des Museums als bewahrende Institution schädigen und mögliche Donatoren von einer Schenkung abhalten
  • Möglicher Wissensverlust
  • Berücksichtigung der musealen Archivfunktion
  • Berücksichtigung der bisherigen Entscheide und Modeströmungen (langfristiges Denken)
  • Beeinflussung des Marktwerts (z.B. bei Kunstwerken), bzw. Schaffung eines Markts (z.B. für Teile von gefährdeten Tierarten)
  • Bewahrung als Nachweis von Forschungsresultaten und als Grundlage für neue Forschungsansätze

Die Verteilung der Objekte des Regionalmuseums Chüechlihus auf diverse Standorte in Langnau erlaubte während Jahrzehnten keinen einfachen Überblick über die Sammlung. Im Rahmen des Sammlungsumzugs ins neue Depot und der damit verbundenen Inventur können nun Objekte, die für eine Deakzession in Frage kommen, leicht identifiziert und separiert werden. Es ist deshalb der richtige Zeitpunkt, den Deakzessionsprozess jetzt umzusetzen.

Was macht eine gute Bewerbung aus?

Nach welchen Kriterien wählt der Objektrat in der Schlussabstimmung die sinnvollsten Bewerbungen aus:

  • Das Objekt sollte museales und somit öffentlich zugängliches Gut bleiben, sofern ein anderes Museum Interesse zeigt, es in seine Sammlung aufzunehmen.
  • Für einige Objekte ist die kantonale Denkmalpflege, eine Bibliothek oder ein Archiv die bessere Anlaufstation als ein Museum.
  • Der Erhalt der Öffentlichkeit ist hoch zu werten. Eine andere Art der Öffentlichkeit ist die öffentliche Nutzung als Vermittlungsobjekt in einem Museum, als Teil einer Kunstinstallation, in einer Schule, in einem Geschäft oder Betrieb.
  • Falls die obigen Punkte nicht erfüllt werden können, ist jede inspirierte Nutzung eine Möglichkeit, dem Objekt ein neues Leben zu ermöglichen.
  • Der Bezug zur Region ist keine Pflicht, aber natürlich wünschenswert.

Mehr zum Thema Deakzession

Leitfaden Deakzession des Schweizerischen Museumsverbands (pdf-Datei, 1.6 MB)